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Altkunststoff-Exporte im Jahr 2017 um 16% gesunken

22. März 2018

Wer für die Entsorgung von Altkunststoffen und insbesondere für Gewerbemischfolien verantwortlich ist, hat es aktuell nicht leicht: Beim Blick auf die Abrechnungen gibt es keinen Anlass zur Freude. Doch warum steigen die Entsorgungspreise? Die Antwort darauf ist auch in deutscher Sprache durch und durch chinesisch.

Als wir am 29. August letzten Jahres unseren Artikel unter dem Titel „China sorgt für Unsicherheit auf dem Markt für Sekundärrohstoffe - Chinas Entscheidung wird Konsequenzen nach sich ziehen“ veröffentlicht haben, zeichnete sich die Entwicklung am Horizont ab. Vor einem halben Jahr zog die chinesische Regierung die Zügel an: Unter der Parole „National Sword“ nahm eine gigantische Kampagne gegen den Import nicht vorbehandelter Abfälle Fahrt auf.

Inzwischen kommen die Konsequenzen in Form konkreter und harter Zahlen auch in Deutschland an, denn die Importrestriktionen Chinas hinterlassen deutliche Spuren in den Statistiken.

So hat Deutschland im letzten Geschäftsjahr knapp eine Viertel Million Tonnen weniger Altkunststoffe exportiert, als noch im Jahr davor. Das entspricht einem Export-Rückgang von ganzen 16 %. Der Hauptgrund für diesen Rückgang ist, wie beschrieben, bei den verschärften chinesischen Importkontrollen zu suchen. Nur noch 0,5 % Störstoffanteil bei Kunststoffabfällen lässt China seit Mitte letzten Jahres zu, sodass die Ausfuhren in die Volksrepublik und in die Sonderverwaltungszone Hongkong sofort einbrachen. Obwohl sich Vietnam und Malaysia als Ausweichrouten für den internationalen Sekundärrohstoffhandel mit Kunststoffen abzeichneten, konnte die eingebrochene chinesische Nachfrage nicht mal ansatzweise kompensiert werden.

Der Blick auf die veröffentlichten, vorläufigen Zahlen des statistischen Bundesamtes offenbart ein regelrecht drastisches Bild:

2017 wurden aus Deutschland 1,22 Mio. Tonnen Altkunststoffe im Gesamtwert von 384 Millionen € exportiert (2016 waren es 1,46 Mio. Tonnen im Wert von 444 Millionen €). Die monatlichen Ausfuhren nach China und Hongkong lagen 2016 im Durchschnitt bei 64.000 Altkunststoffen. Im ersten Quartal 2017 wurde ein Export-Durchschnitt von 69.000 Tonnen gemischter Kunststoffabfälle verbucht.

In den beiden Folgequartalen zeichneten sich die verschärften, chinesischen Importkontrollen schließlich ab: Die Kunststoffabfall-Exporte brachen auf durchschnittliche 34.000 t monatlich ein und kamen zum Jahresende 2017 fast gänzlich zum Erliegen. Im November und Dezember letzten Jahres gingen gerade mal 9000 bzw. 4000 Tonnen an Altkunststoffen nach China bzw. nach Hongkong. Gleichzeitig wuchsen die Exporte nach Malaysia (+50 % auf 75.000 t in 2017) und nach Vietnam (+172 % auf 69.000 t) an. Der größte europäische Abnehmer bleiben nach wie vor die Niederlande, in die 2017 zusätzliche 6 % und insgesamt 142.000 t an Altkunststoffen exportiert wurden. Mehr Sekundärrohstoff ging auch in die Türkei nach Italien. Die Exporte in andere europäische Staaten gingen hingegen deutlich zurück, da es hier einen deutlichen Einbruch der Nachfrage gab.

Wer an dieser Stelle die Gesetzmäßigkeiten der Mathematik bemüht wird schnell erkennen, dass sich Umbrüche in dieser Größenordnung natürlich erheblich auf das Preisgefüge auswirkt. Da sich China als bisher wichtigster Abnehmer für Altkunststoffe vom internationalen Sekundärrohstoffmarkt in der praktischen Auswirkung nahezu zurückgezogen hat, kommt es zu einem Überangebot an Altkunststoffen und damit zu einem dramatischen Preisverfall. Dieser wiederum wirkt sich natürlich auf die gesamte Entsorgungsbranche aus, denn die Verwertung der Altkunststoffe bringt damit deutlich weniger Geld. Da die Ausgabenseite unverändert zu Buche schlägt, während bisherige Einnahmen nicht mehr in dieser Größenordnung aufgerechnet werden können, steigen die Dienstleistungspreise der Entsorgungsfachbetriebe und Recycling-Unternehmen.

Als Händler für Sekundärrohstoffe und Entsorgungsfachbetrieb sind natürlich auch wir von diesen Veränderungen erheblich betroffen. An diesem Beispiel wird unmittelbar klar, wie sich Entscheidungen auf der anderen Seite des Globus auf globalisierten Märken auch bei uns auswirken. Mit unserer Geschäftsniederlassung in China haben wir vorausschauend an Lösungen gearbeitet und versuchen weiter eine bestmögliche Leistung für unsere Kunden im Bereich der Kunststoff-Entsorgung, Verwertung und Vergütung zu organisieren. Dennoch ist die Entsorgung und Vergütung von Altkunststoffen derzeit eine besondere Herausforderung, mit der wir umgehen müssen. Aktuell höhere Preise sind die dramatische Konsequenz. Wir arbeiten daran die negativen Auswirkungen für unsere Kunden so gering wie möglich zu halten.

Wenn Sie aktuell Fragen zum Thema Kunststoff-Entsorgung, Kunststoff-Containerdienst oder Kunststoffrecycling stehen wir Ihnen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.